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Wahl, Einstellung und Wartung eines manuell betriebenen Rollstuhls

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Funktionen der Rollstühle, Gestell

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Rückenlehne

Seite 3

Armstützen, Sitzfläche

Seite 4

Hinterräder (1)

Seite 5

Hinterräder (2)

Seite 6

Vorderräder, Vorderradgabel

Seite 7

Fußstützen, Wartung, image


Unsere sehr vielseitigen persönlichen und beruflichen Erfahrungen, die wir über einen langen Zeitraum hin im Rollstuhl gemacht haben, machen es uns möglich, an dieser Stelle einige Überlegungen und Ratschläge anzubieten, die man bei der Wahl, der Einstellung und der Wartung eines Rollstuhls beachten sollte. Ich glaube, daß diese Ratschläge durchaus nützlich sein können. Mir sind so viele Beispiele von Kunden bekannt, deren Rollstuhl die erwartete Funktion nicht erfüllt, weil beim Kauf eine falsche Wahl getroffen wurde und der Rollstuhl nicht richtig angepaßt werden konnte. Viele Rollstuhlfahrer haben sich aufgrund ihrer Behinderung mit dem täglichen Mangel an Komfort und Beweglichkeit abgefunden. Wenn der Rollstuhl auch die Behinderung selbst keineswegs kurieren kann, so kann er doch das Ausmaß und die negativen Auswirkungen beachtlich mindern. Die folgenden Zeilen sind keineswegs als absolut geltende Ratschläge zu betrachten. Gerne können Sie dazu Stellung nehmen und uns Ihre Verbesserungsvorschläge mitteilen.

Die Funktionen der Rollstühle

Ein manuell bedienter Rollstuhl hat die an sich unerreichbare Aufgabe, die Beine zu ersetzen und eine gute Sitzposition zu bieten. Tatsächlich sollte er zwei völlig unterschiedliche, gar schwer vereinbare Aufgaben erfüllen:

• Er soll den Stuhl im täglichen Leben einerseits und den Sessel zum Ausruhen andererseits ersetzen. Dabei ist es schon schwierig, die erste Funktion auszuüben.
• Er soll dem Behinderten helfen, sich fortzubewegen. Dafür muß er leicht und platzsparend sein, und außerdem mühelos rollen.

Diese beiden Aufgaben sind einzeln schon schwierig zu erfüllen, müssen jedoch unbedingt auch miteinander vereinbar sein. Die gute Sitzposition darf auf keinen Fall die Beweglichkeit beeinträchtigen, und die Mobilität darf nicht auf Kosten der Ergonomie des Sitzes erreicht werden.
Die meisten Rollstühle müssen beide Funktionen ausüben. Bei alten, stark behinderten Menschen ist der bequeme Sitz wichtiger als die Beweglichkeit. Umgekehrt wird bei Menschen, die nicht ununterbrochen im Rollstuhl sitzen, mehr Wert auf Mobilität gelegt, das heißt, es wird ein geringes Gewicht und eine einfache Ausführung bevorzugt. Bei der Wahl eines Rollstuhls sollten diese beiden Kriterien gegeneinander abgewogen werden.

Wir werden uns hauptsächlich mit den geläufigsten Rollstühlen befassen, und zwar mit zusammenklappbaren Rollstühlen, die Komfort und Mobilität gleichzeitig bieten. Einzelne Kriterien können jedoch auch auf Rollstühle mit feststehendem Rahmen zutreffen.

Bei der Wahl eines Rollstuhls werden Sie von einem Verkäufer beraten. Wenn Sie es wünschen, können Sie außerdem einen Ergotherapeuten hinzuziehen. Beide werden Ihnen mit ihrer Fachkompetenz helfen, aber im Endeffekt können nur Sie allein die Entscheidung treffen. Die Verkäufer stehen oft unter Zeitdruck und Ihnen fällt es schwer, Ihr Belangen korrekt einzuschätzen.
Aus diesem Grund gibt es nur eine wirksame Lösung des Problems, und zwar gute Information und Schulung des Behinderten, damit dieser seine Wahl in eigener voller Verantwortung treffen kann. Dieses Schriftstück kann Ihnen dabei helfen, sich über die eigenen Bedürfnisse klar zu werden, sich somit auf die Diskussion mit Verkäufer und Ergotherapeuten vorzubereiten, im Hinblick auf die bestmögliche Anschaffung.

Es gibt viele Rollstühle guter Qualität zu dem von der Krankenkasse genehmigten Preis, d.h. zu 558 €. Sie sind klappbar, aus Aluminium und wiegen 14 bis 15 kg. Sie sind ausreichend gut ausgestattet, um sie Ihren persönlichen Bedürfnissen und Ihrer Morphologie anzupassen. Es gibt keine schlechten Rollstühle und die Marke hat grundsätzlich keine große Bedeutung. Dafür ist es umso wichtiger, das Modell sorgfältig auszusuchen und dabei auf die Ausstattung und die Einstellungsmöglichkeiten zu achten.

Die teurere Spitzenklasse der Rollstühle hat zweifellos ihre Vorteile, die jeder für sich im Bezug auf seinen eigen Geschmack und seine Bedürfnisse beurteilen muß.

Gestell aus Stahl oder Aluminium

Rollstühle aus Aluminium sind in den meisten Fällen zu bevorzugen. Man findet jedoch immer noch Rollstühle aus Stahl, die ungefähr 4 Kilo schwerer sind, deren Hinterräder meist nicht beweglich sind. Solche Rollstühle werden im Allgemeinen an ältere Menschen verkauft, vor allem wenn sie im Altersheim leben. Sie sollten auf alle Fälle vermieden werden, selbst für ältere Menschen, die oft anspruchsloser sind.

Gewicht und Rollverhalten

Die klappbaren Rollstühle aus Aluminium, deren Preis der Leistung durch die Krankenkasse entspricht, wiegen 14 bis 15 kg. Wesentlich teurere klappbare Rollstühle sind um etwa 2 kg leichter. Die Rollstühle mit feststehendem Rahmen sind manchmal um noch weitere ein bis zwei Kilos leichter zulasten einer äußerst sparsamen Konzeption: ohne jeglichen Schutz der Hinterräder, extrem kleine Vorderräder, keine Schiebegriffe, sehr niedrige Rückenlehne..

Sehr wichtig: Ein niedrigeres Gewicht, spielt nur dann eine Rolle, wenn man den Rollstuhl heben oder im Auto mitnehmen muß. Ein Gewicht von 12 statt 15 kg bedeutet ein Mindergewicht von 20 %.
Dagegen ist der Gewichtsunterschied beim Fahren des Rollstuhls von geringem Belang. Bei einer Person, die 75 kg wiegt und einen 15 kg schweren Rollstuhl benutzt, beträgt das gesamte Gewicht 90 Kg. Wiegt der Rollstuhl nur 12 kg, muß die gleiche Person 87 kg fortbewegen, was einem Mindergewicht von 3,3 % entspricht und somit kaum wahrgenommen wird.

Viele Faktoren wirken sich stark auf die Beweglichkeit aus:
• Die Qualität der Kugellager
• Die Auswahl der Vorder- und Hinterräder, sowie der Reifen
• Die Einstellung der Räderposition
• Die Festigkeit der Rückenlehne

Machen Sie Fahrproben mit mehreren Rollstühlen, um sicher zu sein, welcher für Sie der beste ist.